Archiv - 2017

Freie Wähler Tittmoning feierten besinnlichen und heiteren Jahresabschluss


Erfolgreiche Bilanz des Jahres 2017 – kontemplative Weihnachtstexte und Ehrungen

Rege besucht war der Abschluss des Jahres 2017 bei den Freien Wählern Tittmoning im Braugasthof, im Zuge dessen die Vorsitzende Maria Kellner in einigen Aspekten an die Stadtratsarbeit der vergangenen Monate erinnerte. Die Vorsitzende ließ sich auch nicht nehmen, im Namen der „Freien“ einigen verdienten Mitgliedern zu deren Geburtstagen Glückwünsche zu übermitteln. Traditionsgemäß brachten Schorsch Mayer am Hackbrett und Thomas Pillen an der Gitarre feine, gefühlvolle Musikstücke zu Gehör, deren Vielschichtigkeit von bodenständiger, frommer Volksmusik bis zu den Werken bekannter Komponisten reichte. Die Instrumentalstücke sowie die nachdenklich stimmenden respektive humorvollen bayerischen Mundarttexte des 2. Vorsitzenden Kilian Perschl ergänzten sich sinnreich und perfekt.

Maria Kellner bedankte sich einleitend bei den Verantwortlichen in der Verwaltung für die offene und vertrauensvolle Kooperation. 2017 habe die Stadtgemeinde Tittmoning mit dem Ortsteil Asten beim Bezirkswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft – unser Dorf soll schöner werden“ die Auszeichnung in Gold erhalten und man trete 2018 als einziger Vertreter aus Oberbayern im Landesentscheid an. Ohne die Umsetzung der Pläne für die Ortsmitte wäre der Erfolg wohl nicht möglich gewesen. Ein wichtiges Kriterium sei die Nachhaltigkeit gewesen und hierbei wolle sie eine Brücke zu allen Ortsteilen schlagen. Der Stadtrat habe die Verantwortung, die gesamte Stadtgemeinde nachhaltig zu entwickeln. Leben und leben lassen solle auch im Miteinander der Ortsteile gelten. Man könne nicht überall gleichzeitig investieren, aber im Laufe der Jahre sei dies überall möglich.

Diverse Vorhaben in die Zukunft verschoben

Über die Maßnahmen, die im Haushaltsjahr umgesetzt werden sollten und die mittelfristige Finanzplanung habe weitgehend Einigkeit geherrscht. Da der Handlungsspielraum des Rates angesichts der Zuführung zum Vermögenshaushalt in Höhe von 423.000 € relativ überschaubar sei, seien diverse Vorhaben in die Zukunft verschoben. Und ohne die beachtliche Entnahme bei den Rücklagen in Höhe von 2,7 Millionen € und die hohen Schlüsselzuweisungen von 800.000€, die noch nicht gesichert seien, könnte man die geplanten Vorhaben ohnehin nicht realisieren.

Bedenken hinsichtlich der Personalkosten

Bedenken hege sie in Bezug auf die Verdoppelung der Personalkosten innerhalb der vergangenen zehn Jahre. Ein Grund sei unter anderem in den zusätzlichen Stellen für die Kinderbetreuung zu finden. Die Einnahmen hätten sich jedoch leider nicht verdoppelt. Langfristig werde sich diese Tendenz problematisch entwickeln, weil die freie Finanzspanne immer geringer werde. Wenn die Reserven (Rücklagenentnahme und Grundstücksveräußerungsmöglichkeiten) aufgebraucht seien und die Einnahmen sich nicht erhöhten, bliebe nurmehr eine erhöhte Kreditaufnahme. Dem Finanzplan sei zu entnehmen, dass 2020 die Rücklagen weitgehend aufgebraucht seien. In den Jahren 2015/2016 habe der Haupt- und Finanzausschuss versucht, Einsparpotenziale im Verwaltungshaushalt zu eruieren, aber dies sei nicht gelungen. Ein kleiner Lichtblick bestehe nur in der Hoffnung, dass der bayerische Staat die Schlüsselzuweisungen erhöhen würde. Und es Weiteren appelliere sie an den Bürgermeister, dass er sich über den Städte- und Gemeindetag dafür intensiv einsetzen möge, dass die Gemeinden die Kosten für den Personalaufwand für die Kinderbetreuung ersetzt bekämen. Ziel müsse es sein, dass das Bundesland, wie bei den Schulen, für die gesamte Zeit der Kinderbetreuung die Personalkosten übernehme und die Kommune der Sachaufwandsträger bleibe.

Beim Barbaramarkt habe jeder Besucher das Burgambiente genießen können. In diesem Zusammenhang bedaure sie sehr, dass man die Anfrage an die Schlösser- und Seenverwaltung nicht mit mehr Nachdruck verfolgt habe. Denn auch der Burgunterhalt werde in Zukunft eine große finanzielle Herausforderung für den Etat darstellen. Es werde dann bei den Etatverhandlungen wieder so laufen, wie in diesem Jahr: Keiner stelle die geplanten Maßnahmen in Frage, aber sie müssten in die Zukunft verschoben werden. Wenn konjunkturell schwache Jahre zwischendurch kämen, dann sei der Grad der Handlungsfähigkeit plötzlich sehr schmal. Man müsse auch den Gedanken der Nachhaltigkeit in Bezug auf die künftige Gestaltung des Brücknergeländes in Spiel bringen, denn er müsse sich wie in roter Faden durch die Planung und Realisierung ziehen.

Im Anschluss an diese Ausführungen ehrte die Vorsitzende einige Jubilare, der Freien, die im Verlauf des Jahres einen runden oder halbrunden Geburtstag feiern konnten und schloss nach einer regen Aussprache die harmonisch verlaufene Jahresabschlussfeier.

Manfred Willert



Freie Wähler Tittmoning blickten zurück auf ein ereignisreiches Jahr
Jahreshauptversammlung mit Vorstandsberichten und Sozialraumanalyse von 2016

Gut besucht war die diesjährige Jahreshauptversammlung der Freien Wähler Tittmoning im Café im Alten Bäckerhaus, im Rahmen derer die Vorstandschaft die turnusgemäßen Rechenschaftsberichte ablegte und Ortsvorsitzende Maria Kellner einen Rückblick auf die Stadtratsarbeit vornahm sowie eine Powerpoint-Präsentation und des Wohnraumbedarfs in Tittmoning vortrug. Im Mittelpunkt der lebhaften Diskussion stand insbesondere die von den übergeordneten Institutionen geforderte und von der Kommune bisher abgelehnte Straßenausbausatzung.


Viele Veranstaltungen

Nach der herzlichen Begrüßung der Mitglieder und Gäste, übergab Maria Kellner das Wort an Schriftführer Manfred Willert, der auf die im abgelaufenen Vereinsjahr durchgeführten Veranstaltungen verwies, darunter zahlreiche Monatsversammlungen im Gemeindebereich sowie das „Highlight“ Starkbierfest, das sich angesichts der hervorragenden Besucherresonanz, der meisterhaft vorgetragenen Philippika von Bruder Laurentius (Tom Winkler), der vortrefflichen Wortbeiträge aus der Feder von Godehard Mayer und Thomas Brückner, insbesondere dessen Singspiel, sowie der musikalischen Darbietungen von Petra Sinzinger, zu einem nicht wegzudenkenden Bestandteil er kommunalen Agenda entwickelt hat. Ebenso erinnerte Willert an die Ehrung verdienter Geburtstagsjubilare im Zuge der sehr harmonisch verlaufenen und von Schorsch Mayer sowie Thomas Pillen musikalisch begleiteten Jahresschlusssitzung im Braugasthof mit Textbeiträgen von 2. Ortsvorsitzendem Kilian Perschl.
Schatzmeister Peter Forster teilte der Versammlung mit, dass die „Freien“ derzeit über 59 Mitglieder verfügten und erstattete den Kassenbericht, der vom sehr verantwortungsvollen Finanzgebaren der politischen Gruppierung zeugte. Zum Ende seiner Ausführungen betonte Forster, dass die „Freien“ für künftige Wahlkämpfe finanziell bestens gerüstet seien. Kassenprüfer Helmut Winkler bestätigte dann auch die sorgfältige Arbeit Forsters und beantragte die Entlastung der Vorstandschaft, die einstimmig gewährt wurde.

Kleinsteinpflaster unter den Wirtsgärten genehmigt

Stadträtin Barbara Danninger, die Mitglied der Lenkungsgruppe ist, führte den Reigen der Vorstandsberichte fort und bedauerte, es hätten relativ wenige Sitzungen des Gremiums stattgefunden, in denen man die Freihaltung der Stadtplatzdenkmäler, die Form der verwendeten Blumenkübel und das Pflaster unter den Gastgartenflächen sowie die Optimierung des Fußwegs zu den Parkplätzen in der Wasservorstadt diskutiert habe. Stadtrat Albert Schauer fügte den Ausführungen Danningers eine aktuelle Information aus dem Bauausschuss hinzu, er berichtete, die Denkmalbehörde habe das getestete Kleinsteinpflaster genehmigt.

2017 muss der Etatgürtel enger geschnallt werden

Stadtrat Godehard Mayer erläuterte aus dem Haupt-und Finanzausschuss anhand eines detaillierten Zahlenwerks, dass man im Etat 2017 nach dem außergewöhnlich guten Jahr 2015 eine starke Schrumpfung der Rücklagen in Kauf nehmen hätte müssen. Das bedeute, die Kommune habe 1,16 Millionen € aus den Rücklagen zur Deckung in den Verwaltungshaushalt zu transferieren und weil für die laufenden Ausgaben der Kommune nur 11,52 Millionen € zur Verfügung stünden sowie weil die meisten Mittel in Pflichtaufgaben flössen, sei angesichts des hohen Finanzbedarf in Bezug auf die Burg Sparen angesagt. Die Pro-Kopf-Verschuldung der Gemeinde liege bei 519 €. Man müsse jedoch beträchtliche Sachwerte berücksichtigen.

Grundstücksbevorratung geht allmählich zur Neige

Ratsmitglied Albert Schauer berichtete aus dem Bau- und Umweltausschuss, dieses Gremium befinde sich in einer relativ positiven Situation, weil vergleichsweise viele Grundstücke veräußert werden können hätten. Jedoch gehe die Grundstücksbevor- ratung allmählich zur Neige. Thematisch gesehen, habe im vergangenen Jahr das Pillerfeld und Asten im Vordergrund gestanden und als Rat hieße das, man müsse an erster Stelle Sachentscheidung fällen. Hingegen käme der Sanierungsbedarf in Bezug auf die Gemeindeverbindungsstraßen ein wenig zu kurz, weil die dazu erforderlichen Gelder fehlten. Die Breitbandversorgung sei indessen auf einem vergleichsweise guten Weg und die Versorgung der Weiler rücke sukzessive näher. Hinsichtlich des Werkausschusses habe er Positives zu berichten, das Wasserwerk befinde sich in einer günstigen Lage, denn der Eigenbetrieb beschäftige nur wenig Personal und dieses leiste effektive Arbeit.

Kommune kommt vermutlich nicht umhin,

eine Straßenausbausatzung zu erlassen

Die Vorsitzende Maria Kellner fügte in ihrem Bericht aus der Stadtratsarbeit hinzu, die Kommune komme nolens volens trotz des langjährigen, durch alle Fraktionen geäußerten Widerstands angesichts des zunehmenden Drucks „von oben“ in der Zukunft vermutlich nicht umhin, eine Straßenausbausatzung zu erlassen. Hinsichtlich des Wohnhausbaus rege sich eine ganze Menge, denn es sei in Mayerhofen gelungen, ein neues Areal zu erwerben. Bezüglich der Kinderbetreuung müsse man höhere Mittel einkalkulieren, denn der Zeitraum der Obhut steige sukzessive und ab September würde eine neue Gruppe installiert. Sie sei mit der Lenkung der Jugendideenwerkstatt betraut worden, jedoch hätte sie sich gewünscht, dass seitens der Jugendlichen selbst mehr Aktivitäten gekommen wären. Die Freien Wähler hätten einen Architektenwettbewerb für das Areal „Am Bahnhof“ (das ehemalige Brückner-gelände) unterstützt, aber nach ihrer Erfahrung möge es der/das Gewinner(team) nicht allzu gerne, dass sich auch der Rat gestalterisch betätige. Deshalb betonte sie, dass Teilnehmern an einem Wettbewerb "ein Korridor vorgegeben" werden müsse, innerhalb dessen sie Vorschläge machen könnten. "Sonst könne man nicht mehr die Reißleine ziehen." Zum Beispiel solle man überlegen, ob in dem Areal "exklusive" oder Sozialwohnungen entstehen sollten. Es sollte ein mehrstufiges Verfahren praktiziert werden, das in der ersten Stufe eine Bürgerbeteiligung vorsehe, die den Korridor mit den Eckpunkten präjudiziere, die gestalterisch angestrebt werden sollen. In einer zweiten Stufe, wenn man anschließend einen Wettbewerb durchführen wolle, könne man dann die Ausschreibung durchführen. Sie appellierte an die Anwesenden, sich rege an einer Infoveranstaltung zu beteiligen, die in der Vorphase stattfinden werde.

Kleinere Wohnungen fehlen

Anschließend führte Maria Kellner der Versammlung in einer PowerPoint-Präsen-tation die Sozialraumanalyse von 2016 und den Wohnraumbedarf vor Augen. Die Entwicklung der Einwohnerzahlen sei relativ konstant geblieben und die Kommune habe hinsichtlich der Geburtenrate noch „Luft nach oben. Die Zahl der Arbeitsplätze habe sich hingegen rasant vermehrt, deshalb könne man mit Recht bestätigen, dass Tittmoning den Status einer Einpendlerkommune besitze. Aber angesichts der Tatsache, dass nur relativ wenige Wohnungen mit 1 -2 Zimmern verfügbar seien, müsse man das Fazit ziehen, dass in dieser Hinsicht beträchtlicher Handlungsbedarf bestehe und dass auf dem ehemaligen Brücknergelände vorzugsweise kleinere Wohnungen, beziehungsweise Seniorenwohnungen, z. B. für betreutes Wohnen, vorgesehen werden sollten. Aus der Präsentation entspann sich eine lebhafte Diskussion, ob die Kommune eine Quote von neu errichteten kleineren Wohnungen für Senioren rechtlich vorgeben könne oder nicht. Desweiteren wurde die Frage diskutiert, ob die Kommune eine Wohnungsbaugesellschaft etablieren solle oder ob das Areal einem Bauträger/Investor vorbehalten sein solle. Die einhellige Auffassung herrschte jedenfalls in der Versammlung, dass sich das Gebiet „Am Bahnhof“ in der Nähe des Zentrums und nahe der Einkaufsmöglichkeiten in einer privilegierten Situation befinde und dass, wenn das Areal ein Investor oder Bauträger erwerben könne, es vor dem Zuschlag von der Kommune überplant werden müsse. Im Verlauf des Tagesordnungspunktes „Wünsche und Anträge“ kritisierte ein Mitglied der Freien Wähler, dass die Behindertenparkplätze der Firma Lidl nicht der Straßenverkehrsordnung entsprächen, da sie neben der Kennzeichnung am Boden auch durch ein dementsprechendes Hinweisschild markiert werden müssten. Ein weiteres Mitglied mahnte die Stadtratsmitglieder, sie müssten darauf achten, dass die Abwassergebühren „nicht explodieren“. Zudem wurde aus dem Kreis der Versammelten geäußert, die Stadt müsse sich gegen die Oktroyierung einer Straßenausbausatzung wehren, zumindest müsse man sich kundig machen, welche Quote die Kommune auf sich nehmen könne und welche man den Anlegern auferlegen müsse.
M.W.

Bildtext: Unter der Ägide der Vorsitzenden Maria Kellner entspann sich eine lebhafte und von regen Diskussionsbeiträgen geprägte Jahreshauptversammlung der Freien Wähler Tittmoning. (Bild Manfred Willert)


„Verschmähe nicht deinen Anteil am Genuss“
Bruder Laurentius blies beim Starkbieranstich der Freien Wähler den Tittmoningern wortgewaltig den Marsch


Das Bier war wie stets süffig und zeitigte angesichts seiner Stammwürze offenkundige Wirkung, und Bruder Laurentius vom Orden der Kosmopoliten – vulgo Tom Winkler – , die Protagonisten der Heimatbühne sowie das Singspiel von Tom Brückner zeichneten mit sprachlichen Finessen, einer gehörigen Portion Esprit und bissig-satirischen Aperçus ein witziges Porträt der zu Derbleckenden und derbleckt werden wollenden Brüder und Schwestern aus der Gmoa, aber auch der „Großkopferten“ aus dem Landl und dem Bund beim diesjährigen Starkbierfest der Freien Wähler im Saal des Braugasthofs. Der heimliche Stammsitz des streitbaren Augustiner Eremiten im braunen Habit war bis auf den letzten Platz gefüllt, Landrat Siegfried Walch, MdL Michaela Kaniber, alle drei Bürgermeister – Konrad Schupfner, Andreas Bratzdrum und Dirk Reichenau, Stiftsdekan Gerhard Gumpinger nebst einigen Stadträten – waren pflichtschuldigst erschienen und machten natürlich unverzagte Miene zum boshaften Spiel. Nachhaltig-humorvolle Unterstützung erhielt der Bußprediger durch eine Delegation einiger wohlbekannter Protagonisten der Heimatbühne sowie durch das brillante Singspiel aus der Feder von Tom Brückner. Schmissig-tempe-ramentvoll umrahmt wurde schließlich der Abend von der Heulandler Tanzlmusi, die das Kredenzen des frisch gezapften edlen Nass und die rhetorischen Finessen der Darsteller musikalisch hervorragend in Szene setzte.

Fastenpredigt in drei Gängen

Eigentlich ist in der Fastenzeit Entsagung gegenüber Genussmitteln angesagt, aber die Fastenspeise in drei Gängen war saftig, deftig gewürzt und gehaltvoll. Erstens die Heimatbühne Tittmoning, und dann der Vertreter der hohen Geistlichkeit Bruder Laurentius: Der Donnerhall seiner Philippika, verfasst wie jedes Jahr von Ghostwriter Godehard Mayer und vorgetragen mit verschmitzter Mimik sowie hinterkünftigem Humor vom schauspielerisch beeindruckend disponierten Tom Winkler, entlud sich einleitend mit dem Zitat aus dem Buch Sirach, Vers 14,14 „Versage dir die Freude des Augenblicks nicht und verschmähe nicht deinen Anteil am Genuss“ insbesondere über den Häuptern der Mitglieder des Tittmoninger Gremiums. Und schließlich das bis zum letzten Augenblick geheim gehaltene Singspiel, respektive die Retrospektive auf die Schulzeit der heutigen Mitglieder des Stadtrats aus den verschiedenen Gemeindeteilen und der neuerdings fünf Fraktionen. Pardon gab´s nicht, das versteht sich von selbst, und sein „Fett“ hat jeder abbekommen, egal wie die politische „Wolle“ auch gefärbt sein mochte. Den Besuchern hat´s in jedem Fall ausnehmend gut gefallen, wie der reichlich gespendete Beifall bewies. Und Souveränität wurde von den Zielobjekten der mit reichlich Widerhaken gespickten Predigtpfeile in den meisten Fällen bewiesen, nimmt man das eine oder andere schaumgebremste Lächeln aus, wenn eine volle Breitseite aus der Fasten-Kanonade voll ihr Ziel erwischt hatte. Noch schlimmer wär´s ja wohl, wenn man vielleicht gar nicht erwähnt worden wäre. Ein untrüglicher Hinweis darauf, dass man zum unangefochtenen Anführer der „Out-Liste“ avanciert ist. Da soll´s ja durchaus den einen oder anderen Kandidaten geben.

Tittmoning z`erscht

Nach der einleitenden Begrüßung durch die Ortsvorsitzende der „Freien“ Maria Kellner nahm Godehard Mayer seinerseits zunächst einmal die Titelseiten der Heimatzeitung samt ihrem vermeintlich zugehörigen Bildmaterial satirisch-spöttisch aufs Korn und anschließend intonierten die Kabarettbienen der Heimatbühne Tittmoning (Petra Sinzinger, Ute Steinmaßl, Andreas Erlacher, Tom Brückner, Schorsch Mayer und Alfred Kunz) sängerisch vehement in Form von einzeln vorgetragenen Schnadahüpflstrophen die Tücken bei der Suche nach rhetorisch geschliffenen und geistreichen Einfällen einer wirkungsvollen Fastenpredigt. Diese Auftritte wurden dann auch vom begeisterten Auditorium mit rauschendem Applaus quittiert.
Und dann trat er in „coram publico“ auf, Bruder Laurentius, und nahm hintersinnig und hinterfotzig die Anwesenden und Nichtanwesenden auf die Schippe: Die „Kanonen-Uschi und die „Swing-States“, zu denen auch natürlich Bayern gehört habe, hätten zu Anfang des Jahres gefiebert, wer denn der Kandidat für die Bundespräsidentenkür werden solle – und überraschend ist es dann FWS geworden, ob der Horst Seehofer nicht doch das andere Kürzel FJS gehört haben mag? Vom anderen Präsidenten werde an diesem Abend nicht die Rede sein, denn im Buch Hiob, Vers 11,12 heiße es „Auch ein Hohlkopf kann noch Verstand annehmen und ein junger Wildesel noch zum Menschen werden“. Und wenn`s nach dem Schupfner Koni gehe, dann sei der Wahlspruch „Tittmoning z`erscht“ allemal prioritär. Der Sigi Walch habe doch neulich zum Tag der Muttersprache „gepostet“ (Ist dieser Anglizismus nicht ein Widerspruch zum Inhalt des Posts??), dass das Verschwinden der bayerischen Mundarten ein extremer Kulturverlust wäre. Sigi Walch, für den Tittmoning nahezu „terra incognita“ sei, traue sich nur in Begleitung in die Salzachkommune. Aber zumindest wisse er ja jetzt, wo Tittmoning situiert sei! Dann das Remmidemmi um das Jubiläum des bayerischen Bier-Reinheitsgebotes, selbst Merkel habe in Ingolstadt Bier trinken müssen! Horst Seehofer habe sogar von dem „Mythos“ Bier gesprochen, da ergebe sich die Frage, ob das „Mythos-Bier“ etwa aus Griechenland komme. Aber ihm als Fastenprediger sei es allemal lieber, wenn man die Finger vom ominösen „Fix-Hellas“ lasse, sondern stattdessen bayerisches Starkbier trinke.

Ist ein Texit geplant?

Dann der spöttische Schwenk in die kommunalen Gefilde: Barbara Danninger als heimliche Stadtbürgermeisterin und Maria Kellner als potenzielles Astener Gemeindeoberhaupt. Proben etwa die Tittmoninger Bürger mit dem Austritt aus EU, Deutschland, Bayern und aus dem Landkreis den „Texit“? Denn so ein Bürgerbegehren sei fix und mühelos aufgelegt. Das könnte eine ertragreiche Aufgabe für die Ute Sesselmann von den Mitbürgern sein, die wisse ja, wie man die Leute zum Gang ins Rathaus motiviert. Aber nach so einem weitreichenden Exit brauche man auch Freunde - rein geographisch könnte man für solch einen „Entry“ nur einen Blick über die Salzach riskieren! Aber er dementierte aufs Schärfste sowohl pro-faktisch als auch prophylaktisch, dass es sich um einen Anschluss Österreichs/an Österreich handeln könne. Er dürfe aber nicht nur kritisieren, sondern müsse auch einmal loben angesichts der friedvollen Einigkeit zwischen dem Schupfner Koni von der CSU und dem Glück Hans von den Grünen in der Causa zweigleisiger Ausbau der Essbacher Brücke oder der Umfahrung von Ramsdorf ganz im Widerspruch zu übergeordneten Institutionen. Der Bratzdrum Andi möchte gar zu gern Bürgermeisterln, insofern ist er der Söder von Tittmoning, aber der Söder hat auch eine Rivalin in Gestalt der Ilse Aigner – da fiele ihm nur die Waltraud Jetz-Deser ein oder der Maier Franz. „Aber vielleicht mechat ja der Koni aa nomoi, so wia da Walch, aber dummerweise gibt`s für Bürgermeister a Altersgrenze… Aber Koni, zumindest konnst dann mit`m Hermann Steinmaßl a Selbsthilfegruppe für emeritierte Kommunalpolitiker aufmacha!“ Dirk Reichenau musste Auskunft geben, wie viele Neumitglieder den „Entry“ in die SPD gewagt hätten, nachdem der Martin Schulz aus dem Hut gezaubert worden sei. Aber stell Dir vor, es ist Schulz, und keiner geht hin? Die Hoffnungsträger der SPD stehen in Bayern Schlange, aber von Reichenau höre man nichts. In seiner Funktion als Altstadt-, Burg- und Museumsreferent habe ihm das Anliegen der Freien Wähler, die Burg dem Söder zu „schenken“, gar nicht geschmeckt. „Der hat ja glei so do, ois dad dann der nackerte Burgberg dastehn.“ Aber der Koni hat vermutlich in dem Brief an die Schlösser- und Seenverwaltung folgenden Wortlaut verwendet: „Liebe Schlösser- und Seenverwaltung, gell, ihr habts scho gnuag zum doa, ihr wollts doch bestimmt de Tittmoninger Burg ned aa no verwalten..“

Bewahrung der alten christlichen Traditionen

Und so heftig wie der Dirk die historischen Gemäuer bewahren möchte, bewahrt der Pfarrer Gumpinger die gute christliche Tradition, wie der Christbaum, der im Advent nicht brennen darf oder die Weihnachtslieder, die vor Weihnachten nicht gesungen werden dürfen. Außerdem hat er den Pfarrgarten während des Barbaramarkts strenger bewachen lassen, als die vatikanischen Gärten. Das Bürgerauto werde im Gegensatz zu seinem Namen nicht sehr häufig genutzt, angesichts der Tatsache, dass der Bürgermeister ja auch einen SUV nutze.

Sitzt der Störsender im Rathaus??

Apropos Autos: Vor dem Rathaus kommen die einen Besitzer nicht mehr in das eigene Auto hinein oder nicht mehr hinaus, weil der Baustellenkran vor dem Rathaus die Funkschlüssel stört. Vielleicht sitzt aber der Störsender gar im Rathaus? Der Lex Robert mit der Ilse Englmaier im Schlepptau interpretiert das Absägen eines Asts praktisch als Mord und wenn das auch noch ohne artenschutzrechtliche Prüfung geschieht, das habe Sicherungsverwahrung zur Folge. Die Abneigung des Huber Nori in Bezug auf freilaufende Hunde in der Salzachau kam in einer Stadtratssitzung mit scharfen Worten zur Debatte, wiewohl für das Reh laufe es auf das Gleiche hinaus, ob es vom Jäger geschossen werde oder ob es dem Hund zum Opfer falle. Der Wittmann Sepp als Kulturreferent, der sein Amt als Familienbetrieb ausübe, der Erlacher Andi, der im Theater mehr Text rezitiere als in seinem Amt als Seniorenreferent und der Schauer Albert als Ortsteilreferent agiere ganz nach der Devise: „Alles wos i anpack, mach i professionell, aber der Wirt is insolvent ganga ganz schnell.“ Dass unsere Demokratie funktioniere, das erkenne man, dass er die Politiker derblecken dürfe und sich weder vor der Kirche noch vor einer Partei oder der Polizei fürchten müsse, das sei nicht selbstverständlich in solchen Zeiten, wie man sie gerade erlebe. Und darum gibt`s zum Schluss einen Spruch aus dem Buch Valentin: „Hoffentlich wird`s nicht so schlimm, wie es schon ist!“ „Schwoam ma`s obi!“ Prost!

Jetzt ist Frauenpower dran!

„Ja so warn`s“ - mit dem ideenreich-schnurrig adaptierten Lied von den alten Rittersleuten wurde der vokale Prolog des exzellenten und „saustarken“ Brückner-Singspiels vom „Chor der Bienenstiche“ eingeleitet: Die laute und lebhafte Schar der Eleven der Tittmoninger Volksschule stürmt das Klassenzimmer und brüllt im Chor die altbekannte Grußformel „Guten Morgen, Herr Hauptlehrer Milo (Schorsch Mayer)!“ und dann folgte auf die Frage nach den Wünschen für die Zukunft der angehenden kommunalen „Regenten/tinnen ein kreativer Reigen von Ausreden für die Abwesenheit der ABC-Schützen, „der Maier ist beim Stockschießen“, „dem Erlacher ist schlecht“ oder „der Gramsamer ist beim Mistbreiten“ hieß es aus dem berufenen Munde der Kollegen oder Kolleginnen. Der Koni will zuerst, bevor er das indiskrete Verlangen beantwortet, lieber einen Klassensprecher wählen – und der Andreas und er rappen professionell in einem Intermezzo zum Gaudium ihrer potenziellen Unterstützer und der Starkbierfans im Saal. Dann ist der Koni bereit zu einer Auskunft auf die Eingangsfrage, er wolle nämlich Bürgermeister werden. Die Ute gibt als Berufsziel Metzgermeisterin an und intoniert mit ihrem männlichen Pendant namens „Bubi“, sie wollten künftig Kontra geben. Maria schmettert zwerchfellerschütternd mit Barbara begleitet von machohaften Einwürfen der männlichen Kontrahenten „Jetzt ist Frauenpower dran“. Eine Alternativfraktion kontert mit dem Haberfeldtreibersong und mit der musikalischen Forderung nach „back to the roots“. Der Hauptlehrer Milo gibt die Aufsätze zurück, die er anfertigen hat lassen und lässt den querulatorischen Josef in der Ecke stehen, Dirk ist wütend wegen einer vier, die er sich eingefangen hat und Hans Glück trägt sein ihm aufgetragenes Elaborat unter dem Titel „Wie fälle ich einen Baum?“ vor – sein erwartetes Fazit ist „gar nicht“. Dirk tönt „So viele Probleme, wer soll sie lösen, nur ich!“ Die kontradiktorischen sängerischen und inhaltlichen Differenzen gipfeln – wie könnte es anders sein – in einer veritablen Keilerei und einem Klassentohuwabohu und der Pädagoge erteilt den Auftrag, man möge schriftlich vorschlagen, wie man auf die Gedanken der Anderen eingehen könne.

Deftige Worte, auch dieses Jahr der lokalen und überregionalen „Noblesse“ ins Stammbuch geschrieben, scharf bis mild gewürzt, aber immer ideenreich und originell sowie mit reichlich Applaus für den Akteur in der Mönchskutte sowie den „ghost writer“ im Hintergrund, die Tittmoninger Heimatbühne und den Schöpfer des fabelhaften Singspiels.

Manfred Willert



Im besten bayerischen Sinne hintersinnig-witzig wurde von den des Braugasthofs mit schallendem Gelächter und heftigem Applaus belohnt. Begehrlichkeiten und Freveltaten